Nur die wenigsten retten ihr Inneres nackt über die Zeit.

Der Roman "Stadt der Platanen" (BoD, 2016) geht auf einen rund 10.000 Wörter längeren Text zurück, der 1999 von der Literaturagentur Graf & Graf in der Zeit des Berlin-Romans vertreten wurde. Der Text um das Motiv der Platanen - die ihre Rinde absprengen müssen, wollen sie wachsen - schaffte es damals wie 2015 in überarbeiteter Form nicht in einen konventionellen Verlag. Insofern ist die Geschichte, der Roman über den scheiternden, namenlosen Werbegrafiker inmitten einer Masse um Identität und Anerkennung ringender Menschen einerseits auch ein Scheitern des Textes selbst.

Ein Panoptikum von Getriebenen

Andererseits wird die Konsequenz des Textes in der Tagespresse mittlerweile hervorgehoben: "Ein Panoptikum von Getriebenen, die den Erfolg wollen und ihm ständig hinterherlaufen, seltsam unbeseelt und gedankenleer, ohne inneren Kompass" (Nordwest-Zeitung, 7. Mai 2016); "sehr szenisch ... wie sich auch einmal die nicht schillernden Seiten der Hauptstadt zeigen können" (Neue Osnabrücker Zeitung, 26. Mai 2016); "verloren in der Suche nach sich selbst" (Ruppiner Anzeiger, 27. Mai 2016); "eine kleine Reise in die letzten Tage der Kohl-Ära" (Hunte-Report, 15. Juni 2016).

Kein Begriff für die Besonderheit des Romans

Erste Stimmen in der Fachpresse würdigen die konsequente Erzählhaltung, in der Sujet, Perspektive und Tempus den Erzähler stark limitieren, ohne dies durch Rückgriff in die Vergangenheit oder Spiel mit dem Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit zu verändern. So schreibt das Literaturmagazin Asphaltspuren am 14. August 2016:

"Auch wenn ich mich nicht für ein planloses drogenvolles Leben erwärmen kann, so begeistert mich die Art, wie der Autor einfache Dinge in wunderschöne Sätze formt. Er beschreibt genau, wie jemand Thunfischdosen für streunende Katzen aufstellt, wie jemand zu weinen anfängt, weil er keinen Käufer für seine Lederjacke findet, wie zu viele Kokosraspeln von seinem Eis in die Auslagen rieseln ... Banale und profane Dinge werden in Worte gekleidet, die doch eigentlich eine wilde Geschichte erzählen. Ich finde keinen Begriff für die Besonderheit des Romans."

Kurzweil feinster Art

Beate Loddenkötter weiter in ihrer Rezension: "Schöne lange Sätze mit Doppelpunkten und Gedankenstrichen, mit Vergleichen, mit Gefühlen. Das Buch hat mir Kurzweil feinster Art beschert und obwohl ich hinterher nicht klüger war als vorher, hat es mich auf eine sehr lebendige, aber unaufdringliche Art überaus gut unterhalten. Wunderbar!"

Die Literatur-Wissenschaftlerin Barbara Drucker schreibt am 7. Februar 2017 in Ihrer Amazon-Rezension: "Akribisch genau beobachtet er und schildert winzigste Details in einer wundervollen, schon ans Poetische grenzenden Sprache. Er schafft es, den Leser die Agonie spüren, ja erleben zu lassen, ihn in diese Leere hinter Bars und Clubs zu ziehen und sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes zu verlieren."

Eine Geschichte, die mitten in die Seele trifft.

Erste Rezensionen von Lesern in der Leserunde auf LovelyBooks sehen die Handlung vor 20 Jahren mit engem Bezug zum Leben im heutigen Berlin: Das Leben und die Atmosphäre könne auch im Jahr 2016 stattfinden, heißt es dort unter anderem. „Ich habe Berlin in jeder Silbe wiedererkannt ... Ein Ausgang aus dem Labyrinth der Scheinwelt und Oberflächlichkeiten existiert nicht. Nicht in Berlin. Entweder man schwimmt mit - oder man geht unter.“

Weitere Leserstimmen: „Ich mag den Protagonisten und seine Sichtweise, sein Erleben und seinen Zwiespalt … für mich war es einfach nur stimmig … Ich finde es sehr gut umgesetzt.“ Sowie: „Welch ein Glück, dieses Buch gelesen zu haben … Ganz große Erzählkunst, mitreißend und ehrlich, eine Geschichte, die mitten in die Seele trifft.“